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Das Raynaud-Syndrom

Raynaud-Syndrom

Kalte Hände, weiße Finger

Die Körperteile, die am weitesten vom Rumpf entfernt sind, gelten als besonders anfällig für Kälte. Sowohl Finger als auch Zehen zeigen bei eisigen Temperaturen ein Kribbeln und ein unangenehmes Kältegefühl. Bei dem Raynaud-Syndrom reichen nur kleinste Temperaturschwankungen oder Stress, um eine Durchblutungsstörung und die oben genannte "Kälte"-Symptome in den Händen zu verursachen.

Aber woher kommt dieses seltsame Krankheitsbild? Was hat das Raynaud-Syndrom mit Rheuma zu tun? Habe ich automatisch Rheuma, wenn ich am Raynaud-Syndrom leide und wie wird diese Krankheit behandelt?

Hier eine Klärung der wichtigsten Fragen:

Bei Menschen, die am Raynaud-Syndrom leiden, treten Schmerzen, Kribbeln und Durchblutungsstörungen an Fingern und Zehen nicht nur bei extremer Umgebungskälte auf: Bei ihnen kommt es durch Gefäßkrämpfe an diesen Körperstellen anfallsartig zur Verringerung der Blutzufuhr. Als Auslöser für diese Krämpfe reicht oft nur eine kurzfristige Änderung der Umgebungstemperatur (Griff in die Tiefkühltruhe) oder psychischer Stress.

Als der französischen Arzt Maurice Raynaud das Krankheitsbild beschrieb, sprach er von Digitus mortus („Leichenfingern"): Wegen der mangelnden Blutzufuhr werden die Finger weiß wie bei einem Verstorbenen.

Eine weit verbreitete Krankheit

Am Raynaud-Syndrom sollen deutschlandweit etwa 4 bis 17 Prozent der Bevölkerung erkrankt sein - vor dem Hintergrund, dass das Raynaud-Syndrom ein sehr unbekanntes Krankheitsbild ist, ist dies ein hoher Anteil. Vor allem sind es Frauen zwischen 20 und 40 Jahren, die an der Krankheit leiden. Damit sind die Damen der Schöpfung etwa fünfmal häufiger betroffen als Männer.

Zwei Merkmale sind charakteristisch für das Raynaud Syndrom: Zum einen kommt es zu Schmerzen durch Minderdurchblutung, zum anderen gibt es typische Verfärbungen der Finger.

Weiß - Blau - Rot: Die Farben des Reynaud-Syndroms

Die Verfärbungen während eines Raynaud-Anfalls sind dreifarbig und haben folgende Reihenfolge: Aufgrund der plötzlichen krampfartigen Engstellung der Gefäße kommt es zu einer Durchblutungsstörung - die betroffenen Gliedmaßen färben sich zunächst weiß. Da durch die Mangeldurchblutung zu wenig Sauerstoff zur Verfügung steht, werden die Körperstellen daraufhin tiefblau und sind starr und kalt. Setzt nach Minuten oder sogar Stunden die Durchblutung wieder ein, so ist diese kompensatorisch stärker als vor dem Raynaud-Anfall - Finger oder Zehen laufen rot an. Wegen dieser auftretenden Farben (weiß-blau-rot) wird die dreistufige Verfärbung als Anlehnung an die französische Flagge auch als „Trikolore-Phänomen" bezeichnet. Diese Abfolge ist neben den Schmerzen auch noch mit Taubheitsgefühlen verbunden.

Von Rheuma über die Pille zum Stress

Kompliziert am Raynaud-Syndrom ist, dass es ein nicht vollständig geklärtes Phänomen in der Medizin ist und es mehrere „Ursachen" gibt, die in der Therapie jedoch komplett verschiedene Herangehensweisen erfordern.

Man unterscheidet grob zwei Formen des Raynaud-Syndroms: Bei der primären Form sprechen Ärzte von einer eigenständigen Krankheit, die nicht auf einer bestehenden Grunderkrankung basiert. So etwas nennt man in der Medizin eine „ideopathische" Form. Wissenschaftler vermuten als Grundlage eine gestörte Nervenaktivität an den Gefäßen. Bei Wechsel der Umgebungstemperatur oder psychischem Stress reagieren die Nerven und es kommt zum Zusammenziehen der Adern. Bei dieser Art des Raynaud Syndroms sind Finger und Zehen beidseitig betroffen. Auch wenn die primäre Form äußerst unangenehm ist, verläuft sie in den meisten Fällen unkompliziert - es stirbt kein Gewebe ab und die Schwere der Symptome sind begrenzt.

Bei der sekundären Form an Rheuma denken

Die sekundäre Form des Raynaud-Syndroms basiert auf einer Grunderkrankung, die fast immer aus dem Krankheitsbild „Rheuma" herrührt. Oft liegt hier nur ein einseitiger Befall der Gelenke vor und im Gegensatz zu dem „harmlosen" primären Raynaud-Syndrom sind beim sekundären Gewebszerstörungen, Hautnekrosen und weitere Folgeschäden möglich.

Der Rheumatologe denkt bei einer Raynaud-Symptomatik vor allem an eine beginnende rheumatische Erkrankungen wie einen systemischen Lupus erythematodes (SLE), Kollagenosen oder eine chronische Polyarthritis.

Habe ich Rheuma, wenn ich am Raynaud-Syndrom leide?

Ganz wichtig für Patient und Arzt ist es zu Beginn der Beschwerden zwischen einem primären und sekundären Raynaud Syndrom zu differenzieren. Es muss also eine zentrale Frage beantwortet werden: Liegt meinen Durchblutungsstörungen eine rheumatische Erkrankung zugrunde?

Um dies zu untersuchen wird ein Rheumatologe nach Erfragen der Krankheitsgeschichte das Blut auf Entzündungszeichen, Veränderungen der Blutzusammensetzung, sowie bestimmte Eiweiße und Antikörper untersuchen - allesamt mögliche Zeichen für eine rheumatologische Erkrankung. Bei auffälligen Werten muss aber der Verdacht auf ein sekundäres Raynaud-Syndrom durch weitere, umfangreiche Untersuchungen bestätigt werden, denn der alleinige Bluttest reicht nicht aus. Hier kommt die sogenannte „Kapillarmikroskopie" zum Einsatz, die in Spezialabteilungen für Rheumatologie durchgeführt wird: Unter dem Mikroskop erfolgt schmerzlos eine Beurteilung der Kapillaren, meist am Nagelbett des Betroffenen.

Wann und wie wird behandelt?

Laut der deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRH) sollte ein Raynaud-Syndrom dann behandelt werden, wenn es zu einer subjektiven Beeinträchtigung des Befindens, zu Schmerzen und einem Taubheitsgefühl kommt. Die Behandlung eines sekundären (rheumatischen) Raynaud-Syndroms bedarf einer komplizierten Therapie der Grunderkrankung beim Rheumatologen.

Für das primäre Raynoud-Syndrom gibt es hingegen einige prophylaktische Tipps, die man beachten kann, um einen Anfall zu verhindern: Laut der DGRH ist „Nicht-Rauchen die erste Therapie", denn Nikotin lässt die Gefäße zusammenziehen. Kälte und Nässe sollten durch Handschuhe oder wärmende Gelkissen im Winter ebenfalls vermieden werden. Es schadet auch nicht, den Kreislauf und die Durchblutung anzuregen: Mit Sport, Wechselbädern oder Saunagängen kann möglichen Anfällen vorgebeugt werden.

Da psychischer Stress ein Auslöser des Raynaud-Syndrom sein kann, muss innerer Anspannung und psychischen Belastungen entgegengewirkt oder aus dem Weg gegangen werden: Entspannungstechniken wie Akupunktur oder autogenes Training können sich positiv auf den Verlauf der Durchblutungstörung auswirken. Was man auch nicht vergessen darf: Medikamente können das Raynaud-Syndrom auslösen! Die Dosierung von Betablockern und sogar Antibabypillen sollten bei starken Beschwerden zusammen mit einem Arzt überdacht werden.

Medikamentöse Therapie des primären Raynaud-Syndroms sind hingegen nur dann erforderlich, wenn alle anderen Methoden nicht reichen und sollten nur nach ausführlicher Absprache mit einem Gefäßarzt zum Zuge kommen.

 

Quelle: Felix Gussone
Foto: Fotolia